Thematische Ausstellungen
Unsere historischen Gebäude eröffnen anschauliche Einblicke in den Alltag der ländlichen Bevölkerung vergangener Jahrhunderte. Die Häuser wurden an ihrem ursprünglichen Standort sorgfältig abgebaut und im Museum originalgetreu wiedererrichtet.
Die Gebäude und ihre Ausstattung zeigen, wie die Menschen im Chiemgau und im Rupertiwinkel gelebt und gearbeitet haben. Eine umfangreiche Sammlung von Objekten ländlicher Alltagskultur veranschaulicht Arbeitsweisen, Wohnverhältnisse und Lebensumstände dieser Zeit.
Ergänzend präsentieren ausgewählte Museumsgebäude thematische Ausstellungen. Sie vertiefen einzelne Aspekte und greifen weiterführende Fragestellungen rund um Geschichte, Nutzung und Bedeutung der jeweiligen Häuser auf.
Getreideverarbeitung
Im Erdgeschoss der Furthmühle ist - entsprechend der Gebäudenutzung der Mühle - die Verarbeitung von Getreide präsentiert. Bis in das 19. Jahrhundert war Getreide die Hauptgrundlage der Ernährung und der Getreideanbau Mittelpunkt der bäuerlichen Nahrungserzeugung.
Anschaulich wird die Technik der Arbeitsvorgänge einer Mühle, das Reinigen, Mahlen und Sichten mit Textfafeln erklärt. Im ehemaligen Wohnteil verdeutlichen drei Mahlmodelle die Entwicklung der Verarbeitung von Getreide und laden zum Ausprobieren ein.
Wanddekoration
Die Gestaltung der Innenräume mit Schablonen- und Walzmustern war im bäuerlichen und kleinbürgerlichen Milieu seit Anfang des 20. Jahrhunderts üblich. Dadurch konnte jedem Raum eine individuelle Note verliehen werden.
Die Ausstellung im Obergeschoss der Furthmühle erklärt die Handwerkzeuge und zeigt Beispiele der verschiedenen Dekorationstechniken. Zu sehen sind die traditionellen Schablonen-Stupftechniken sowie die ab den 1920er Jahren üblichen Spritz- und Wischmuster wie auch die Wickeltechnik.
Milchviehwirtschaft
Die Stallhaltung von Tieren gehörte seit Mitte des 19. Jahrhunderts zum festen Bestandteil der Landwirtschaft. Aus der vormodernen Weidewirtschaft entwickelte sich unter dem Einfluss der Agrarwissenschaft eine effiziente ganzjährige Anbindehaltung mit dem Ziel, Leistung und Ertrag zu steigern. Bis heute prägt die Spezialisierung auf Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung die Region, zugleich sinkt die Anzahl der einst zahlreichen kleinen Familienbetriebe seit Jahrzehnten.
Die Ausstellung im ehemaligen Wirtschaftsteil des Mittermayerhofs zeigt anhand zahlreicher Originalobjekte die Entwicklung der Stalltechnik und Milchverarbeitung am Beispiel der Kuh, von der Milchverwertung in Heimarbeit bis zur elektrischen Melkmaschine.
Für Kinder und Familien lädt eine Kuhattrappe mit künstlichem Euter dazu ein, die Geschicklichkeit als Bäuerin und Bauer selbst auszuprobieren. Auf einem Medientisch können Kinder Quizfragen zur Landwirtschaft beantworten und eigene Wimmelbilder gestalten.
Das Wagnerhandwerk
Der Wagner gehörte zu den typischen Landhandwerkern und sorgte - ähnlich wie der Schmied - für Mobilität in der ländlichen Gesellschaft. Bis in das frühe 20. Jahrhundert stellte er Räder, Wagen, Schubkarren, Schlitten und Gestelle für Eggen und Pflüge her. Besonders die Herstellung von Rädern setzte ein hohes Maß an Präzison und Geschicklichkeit voraus.
Die Ausstellung in der Tenne des Wagnerhauses präsentiert einen bis in die 1940er Jahre weit verbreiteten Handwerksberuf und erklärt anschaulich die einzelnen Schritte hin zu einem Wagenrad.
Mit der Einführung der so genannten Luftreifen und der Verwendung von Stahl im Gerätebau verlor das Wagnerhandwerk an Bedeutung. In der Remise wird das Thema rund um den neuen Erwerbszweig der Wagner aufgegriffen und anhand von Beispielen dargestellt.

