Kulturlandschaft
m Freilichtmuseum werden nicht nur historische Gebäude gezeigt, sondern auch die dazugehörigen Kulturlandschaften des Chiemgaus. Gemeinsam vermitteln sie ein anschauliches Bild davon, wie eng das Leben der Menschen mit der Natur verbunden war.
Die natürlichen Gegebenheiten bestimmten, wie die Landschaft landwirtschaftlich genutzt werden konnte. Gleichzeitig wurde die Landschaft durch die kontinuierliche Nutzung über viele Generationen hinweg selbst geprägt und verändert.
Die Gestaltung des Museumsgeländes folgt dabei zwei Grundprinzipien:
Direkt rund um die historischen Gebäude ist die Umgebung so gestaltet, wie sie auch an ihrem ursprünglichen Standort ausgesehen hat.
Die weiter entfernten Flächen hingegen orientieren sich an der typischen Kulturlandschaft des südostoberbayerischen Alpenvorlandes. Sie zeigen die traditionelle Land- und Forstwirtschaft, wie sie dort bis etwa in die 1950er Jahre üblich war.
Fliegende Landwirtschaft
Immer im Dienst
Jede Biene weiß genau, was sie tun hat. Das Bienenvolk zieht die Drohnen (männliche Bienen) in den Sommermonaten auf. Die Königin wird umsorgt und legt ununterbrochen Eier. Eine Arbeiterbiene hat in ihrem kurzem Leben mehrere Aufgaben: den Bienenstock sauber zu halten, den Nachwuchs zu füttern oder Wachs als Baustoff für den Bienenstück zu produzieren oder aber Futter zu sammeln.
Früher bildeten die Bienen kleinere Völker; durch Zucht und Auslese sind die Bienenvölker heute weitaus größer und produktiver. Im Juni erreichen die Völker ihre maximale Größe: Vermutlich sind es dann ca. 40.000 Tiere pro Volk (1 Königin, ca. 500 Drohnen, Rest Arbeiterinnen).
Seine Nahrung sucht sich ein Bienenvolk im Umkreis von bis zu fünf Kilometern, das heißt auf einer Fläche von fast 9.000 Hektar. Dabei sammelt es für den eigenen Bedarf pro Jahr ca. 70 kg Honig, 50 kg Pollen und 20 L Wasser. Hinzu kommt der Honig, der vom Imker geerntet wird (ca. 30 kg/Volk im Jahr).
Schwärmende Bienen
Wenn ein Bienenvolk stark genug ist, teilt es sich über den Bienenschwarm. Das ist die natürliche Vermehrung eines Bienenvolkes. Ein Bienenschwarm besteht aus der alten Königin und etwa 50% der Bienenmasse. Der Schwarm (die Bienen) saugen sich vor Abflug mit Futter voll, dass sie verwenden, um daraus in einer neuen Behausung Wachs zu produzieren (Wabenbau) und sich zu versorgen.
Der Imker möchte das Schwärmen vermeiden, damit Honig geerntet werden kann und die „gute“ Königin nicht wegfliegt. Daher werden die Bienenvölker in regelmäßigen Abständen auf ihren Schwarmtrieb kontrolliert.
Bienenhäuser
Bienen gehören als Nutztiere schon lange zur Landwirtschaft. Ursprünglich waren es die Zeidler, die den Wabenbau wild lebender Honigbienen aus Baumhöhlen schnitten – „Zeideln“ bedeutet auch „Honig schneiden“. Zudem höhlten sie Baumstämme im Wald für Bienenvölker aus und stellten hohle Stammabschnitte in Hausnähe als Bienenwohnung auf.
Später kamen Flechtkörbe aus Ruten oder Stroh zum Einsatz. Bis in die 1970er Jahre waren Bienenhäuser weit verbreitet, die häufig neben den Bauernhöfen gebaut wurden. Die Bienenvölker finden dort Schutz vor der Witterung und der Imker kann wetterunabhängig arbeiten. Die Bienen orientieren sich an den farbigen Anflugbrettern, der räumlichen Umgebung sowie dem individuellen Stockgeruch - wie auch früher in der Ameranger Bienenvilla aus Steinhöring.
Moderne Technik im Bienenstand
Die mobilen Magazinbeuten der Fachberatung für Imkerei lassen sich modular erweiteren und sind mit digitalen Bienenstockwaagen ausgerüstet (siehe externer Link). Diese Waagen erfassen die Wetterdaten, Gewichtsänderungen und die Temperatur im Bienenvolk. Aus den erfassten Daten können wichtige Rückschlüsse auf die Entwicklung der Bienenvölker und auf ihre Nahrungsversorgung abgeleitet werden.
Diesen Daten werden für das Bundesgebiet im imkerlichen Beobachtungsnetzwerk TrachtNet gebündelt, aufbereitet und ausgewertet. TrachtNet ist ein Kooperationsprojekt der Bieneninstitute in Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern. Ziel ist der Aufbau eines deutschlandweiten Messnetzsystems für automatisierte Bienenstockwaagen.
Flachs
Flachs ist eine der ältesten Kulturpflanzen im Ackerbau.
Auch als Lein bezeichnet bildet er über viele Jahrhunderte die wichtigste Pflanze zur Herstellung von Textilien und zur Ölgewinnung. Für einen kurzen Zeitraum blüht er blau oder weiß, weshalb früher häufig von blau blühenden Landschaften gesprochen wurde.
Zur Ernte werden die Pflanzen mit der Wurzel aus dem Boden gezogen und zum trocknen in Bündeln aufgestellt. Aus Flachs entsteht durch mechanisches Bearbeiten, dem riffeln und brechen, Leinen. Es ist ein regionales, natürliches Fasermaterial, aus welchem Kleidung, Bettwäsche oder Tischdecken hergestellt werden und vor allem den Eigenbedarf deckte. Leinen fühlt sich auf der Haut sehr kühlend an und wird deshalb gerne in der Sommerbekleidung verarbeitet. Aus dem Samen wird Leinöl gepresst.
Besonders in Gebieten mit einem feuchten, kühlen Klima während der Monate Mai und Juni wuchs Flachs besonders gut und erreicht eine Wuchshöhe zwischen 60 und 100cm. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde noch auf über 200.000 Hektar in Deutschland Flachs angebaut und durch Heimarbeit am Spinnrad versponnen.
Der Import von billigerer Baumwolle, Hanf, Sisal und Jute ließ den Anbau um die Jahrhundertwende vollständig einbrechen. Als nachwachsender Rohstoff gewinnt Flachs wieder eine neue Bedeutung. Die Anbaufläche betrug 2020 in Deutschland rund 3400 Hektar. Ein Hauptproblem für den heutigen Anbau bildet der Klimawandel mit seinen langen Trockenphasen.

